Gewalt ist mehr, als du denkst.

Kampagne gegen psychische Gewalt an Kindern

Muss ich dir alles dreimal sagen?

Nicht du schon wieder!

Jetzt stell dich nicht so an!

Wenn du nicht aufisst, ist die Oma traurig.

Aus dir wird nie was!

Wenn du jetzt nicht schläfst, dann knallt es!

Hör auf zu heulen!

Kommt Ihnen einer dieser Sätze bekannt vor?

Wir alle haben eine recht klare Vorstellung, was körperliche Gewalt ist. Ein Kind mit dem Stock zu verprügeln, war zu früheren Zeiten üblich, heute ist das für uns unvorstellbar. Die berühmte Ohrfeige, der sogenannte „Klaps auf den Po“ werden dagegen noch praktiziert und als „da ist mir die Hand ausgerutscht“ verharmlost. Immerhin: Das schlechte Gewissen meldet sich. Für die oben genannte Sätze, für psychische Gewalt gibt es allerdings kaum ein Bewusstsein. Dabei sind herabwürdigende Erziehungshandlungen, demütigende Äußerungen und Anschreien auch Gewalthandlungen gegen Kinder mit massiven Langzeitfolgen.


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Was ist psychische Gewalt?

Was ist psychische Gewalt? Was sind ihre Folgen? Warum ist es so wichtig, über psychische Gewalt zu sprechen? Über diese Fragen spricht Professorin Sabine Andresen, Vizepräsidentin des Kinderschutzbundes, mit der Journalistin Kerstin Dausend. Der kurze Erklärfilm möchte eine Möglichkeit zur Reflektion und Anlass zum Austausch bieten.

Ein Kind, das wiederholt psychischer Gewalt ausgesetzt ist, fühlt sich wertlos

Psychische Gewalt meint ein wiederholtes Verhalten aufseiten der Erwachsenen beziehungsweise der Bezugspersonen, das dem Kind gegenüber eine feindliche oder abweisende Haltung zum Ausdruck bringt. Die psychologischen Grundbedürfnisse des Kindes werden nicht erfüllt und es wird vermittelt: Du bist wertlos, ungeliebt und unerwünscht. Da psychische Gewalt keine körperlich sichtbaren Spuren hinterlässt, ist sie viel schwerer feststellbar.

Psychische Gewalt tritt in vielen Formen auf

Psychische Gewalt liegt vor,

• wenn Kinder kontinuierlich mit ihren Bedürfnissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wünschen herabgesetzt oder zum Sündenbock gemacht werden (Ablehnung)
• wenn Kindern der Zugang zu sozialen Kontakten, die für eine normale Entwicklung und dem Erlernen sozialer Kompetenz wichtig sind, verwehrt wird (Isolierung)
• wenn Kindern ständig mit dem Verlassen oder schweren Körperschädigungen gedroht wird (terrorisieren)
• wenn Kindern die elterliche Aufmerksamkeit oder Ansprechbarkeit, die Kinder für ihre Entwicklung brauchen, dauernd entzogen wird
• wenn an Kinder dauernd übertriebene, unangemessene Anforderungen gestellt werden, die ihrem Entwicklungsstand nicht entsprechen und das Kind überfordern
• wenn Kinder Zeugen elterlicher Partnergewalt werden, auch ohne selbst direkt Misshandlungen zu erleben

Die Formen der psychischen Gewalt gehen sehr oft mit anderen Formen der Gewalt gegen Kinder einher.

Eine häufige Folge: Angststörungen oder psychosomatische Störungen

Kinder zu verängstigen, zu verschrecken, zu beschämen und einzuschüchtern kann zu schwerwiegenden Folgen in ihrer Entwicklung führen, genauso als wären sie misshandelt oder sexueller Gewalt ausgesetzt worden. Viele Kinder leiden bis ins Erwachsenenalter unter psychischen Belastungen und Beziehungsstörungen. So hat das Universitätsklinikum Ulm in seiner Studie zum elterlichen Erziehungsverhalten aufgezeigt, dass Kinder, die von psychischer Gewalt betroffen waren, häufig Angststörungen oder psychosomatische Störungen ausbilden.

Weltkindertag 2022: Vorstellung der Kampagne „Gewalt ist mehr, als du denkst“

Am Weltkindertag hat der Kinderschutzbund seine Kampagne „Gewalt ist mehr, als du denkst“ gemeinsam mit Bundesfamilienministerin Lisa Paus auf einer Pressekonferenz vorgestellt. „Seelische Verletzungen gehören leider für viele Kinder zum Alltag, sei es im Elternhaus, aber auch in Kita oder Schule. Gewalt schafft aber keine Einsicht bei Kindern, sondern demonstriert, wer der Stärkere ist“, sagt Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers.

Bundesfamilienministerin Lisa Paus betont die Bedeutung der Kinderrechte für ein gewaltfreies Aufwachsen: „Kinderrechte müssen immer im Vordergrund stehen, an jedem Tag im Jahr. Das gilt erst recht für Krisenzeiten. Leider haben wir während der Pandemie gerade erst erlebt, dass dies nicht automatisch der Fall ist. Deshalb ist es unser Ziel als Ampelregierung, die Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern und uns dabei maßgeblich an den Vorgaben der UN-Kinderrechtskonvention zu orientieren.“

Heinz Hilgers sprach am Weltkindertag auch mit Schauspielerin Rebecca Immanuel über das Thema psychische Gewalt gegen Kinder. Ihrem Gespräch konnten Zuschauerinnen und Zuschauer live auf Facebook folgen und ihre Fragen zum Thema stellen.


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Wie kann man auf eine gesunde Art mit dem Gefühl der Wut umgehen?

Alle Gefühle sind richtig und dürfen auch sein. Jeder Mensch ist mal wütend. Wut kann uns zeigen, dass vielleicht gerade unsere Grenzen erreicht sind. Wut kann aber auch dazu führen, dass wir unüberlegt handeln oder sogar dazu, dass seelische und körperliche Gewalt ins Spiel kommt. Der Film aus der Reihe Starke Eltern – Starke Kinder® erklärt, wie man auf eine gesunde Art mit Wut umgehen kann.